Eine wahre Geschichte… mein persönlicher Rekord Flug im Flachland

DGH

Erzählung von Diether Beck

Atos Pilot Diether Beck

Rekordflug, am 01.08.2019 mit 246 KM FAI Dreieck in 9 Stunden Flugzeit.
Die gute Wettervorhersage lässt gute und lange Thermikzeit erwarten, ergo war nicht lange zu überlegen und die Arbeit wurde zur Nebensache.
Schnell war meine Ausrüstung zusammengepackt und der UL-Platz in Neuenstadt erreicht.
Der Atos und der E-Lift ist im Nu aufgebaut und um 10.00 Uhr war alles startklar. Jetzt noch abwarten und den Himmel beobachten. Die ersten Wolken entwickeln sich ab 10 Uhr über dem Odenwald und über den Löwensteiner Bergen. Über dem Startplatz ist die erste Wolkenbildung um 10.30 Uhr zu sehen, also startfertig machen!
Um 11 Uhr starte ich dann mit Motorunterstützung auf eine Höhe von 500 Meter. Es geht noch nicht besonders zuverlässig nach oben, zudem musste ich aufpassen, dass mich der SW-Wind nicht über die Verbotszone der DLR versetzte.
Nach einer Stunde Flugzeit erreiche ich endlich Jagsthausen. Die Basis steigt auf 2000 Meter an und es geht mit dem Rückenwind zügig Richtung NO voran. Zwischen den beiden Militärzonen Niederstetten und Giebelstadt durchfliegen, das sollte heute kein Problem sein, die Wolken stehen gut!
Nach ca. 80 Km und 2,5 Stunden Flugzeit ist die Mainschleife bei Ochsenfurt in Sicht und die A7 überflogen. Jetzt bis zur nächsten guten Wolke vor fliegen und zur Basis aufsteigen, hier wird es dann Zeit die Wende Richtung Süden einzuleiten.
Die Wolken in Flugrichtung sehen sehr gut aus und die Basis steigt auf 2300 Meter an. Jedoch komme ich gegen den Wind nicht gut voran. Dennoch, kurz vor Rothenburg wird es wesentlich besser und ich entscheide mich, entlang der A7 Richtung Süden zu fliegen.

Um 16.30 Uhr erreiche ich Aalen, hier wird es Zeit für die nächste Wende zum Rückflug. Über dem Schwäbischen Wald haben sich inzwischen alle Wolken aufgelöst. Habe ich doch vielleicht zu hoch gepokert?
Also wieder über Ellwangen nach Crailsheim zurückfliegen, hier stehen noch Wolken über dem Jagsttal. Es wird dennoch schwierig werden, denn der Wind hat wieder zugenommen und dabei sinkt die Basis. Es ist bereits schon 18.00 Uhr und über Crailsheim habe ich nur noch eine Höhe von 1100 Meter über NN. Der nächste Bart bringt mich dann mit einem Windversatz nach Osten auf 1500 Meter.
Mit dieser Höhe konnte ich bis Wolpertshausen gegen den Wind weiterfliegen, bis ich wieder auf 1000 Meter angekommen bin. Es wurde immer schwieriger und ich sah zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr, mein Ziel zu erreichen!
Der Entschluss, dass ich meinen Antrieb starten musste, war schnell gefällt. Jedoch der E-Lift versagte den Dienst. Also, mit einem Auge einen Landeplatz suchen und weiterkämpfen war die Devise! Zur Belohnung stieß ich in einen Bart der mich noch einmal auf 2000 Meter aufsteigen ließ.
Vorsichtig in Richtung Westen fliegen und dabei eine gute Spur suchen! Nebenbei musste ich höllisch aufpassen um nicht in den Luftraum SHA zu sinken. Bei Kupferzell konnte ich noch einen letzten Bart auf 1500 Meter mitnehmen. Durch diesen wurde ich mit einem Super-Heimflug in steigender Luftmasse belohnt. Ohne wesentlich kurbeln zu müssen, konnte ich die letzten 20 KM abgleiten und trotzdem mit ausreichender Höhe den Heimatplatz in Neuenstadt erreichen.
Am Ende ist ein 246 km FAI-Dreieck bei 9 Stunden Flugzeit herausgekommen. Ich musste in einer schwierigen Phase bei Wolpertshausen schwer kämpfen, dass ich überhaupt zu meinem Heimat-Landeplatz kommen konnte. Der Kampf hat sich gelohnt, ich bin überglücklich, es geschafft zu haben.
Nun trage ich die Hoffnung, dass ich diesen tollen Flug zu einem anderen Zeitpunkt wiederholen und genauso wieder genießen kann.

Diether Beck

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Der Track vom Flug von Diether am 1. August 2019 mit Atos VQ, Start- und Landeplatz: UL Gelände Neuenstadt a. K.
alle Details: DHV XC Cup

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